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<title>George Westermann</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">George Westermann</span></h1>
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<p><b>George Westermann</b> (* <a href="23._Februar" title="23. Februar">23. Februar</a> <a href="1810" title="1810">1810</a> in <a href="Leipzig" title="Leipzig">Leipzig</a> als <b>Georg Westermann</b>; † <a href="7._September" title="7. September">7. September</a> <a href="1879" title="1879">1879</a> in <a href="Wiesbaden" title="Wiesbaden">Wiesbaden</a>) war ein deutscher <a href="Verleger" title="Verleger">Verleger</a> und Gründer des noch heute in <a href="Braunschweig" title="Braunschweig">Braunschweig</a> bestehenden und nach ihm benannten Verlages, der mittlerweile Teil der <a href="Westermann_Druck-_und_Verlagsgruppe" class="mw-redirect" title="Westermann Druck- und Verlagsgruppe">Westermann Gruppe</a> ist.
</p><p>Das Programm des Westermann-Verlags war bestimmt von geographischen Entdeckungen und den technisch-wissenschaftlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts. Persönliche Kontakte zu englischen Autoren wie <a href="Charles_Dickens" title="Charles Dickens">Charles Dickens</a> machten den Verlag zudem zu einem wichtigen Kulturvermittler. Mit der Spezialisierung auf <a href="W%C3%B6rterbuch" title="Wörterbuch">Wörterbücher</a>, <a href="Reisebericht" title="Reisebericht">Reiseliteratur</a> und <a href="Kartografie" title="Kartografie">kartografische</a> Titel erhielt das <a href="Unternehmen" title="Unternehmen">Unternehmen</a> sein Profil. Der 1853 als <i>Schul-Atlas zum Unterricht in der Erdkunde</i> begonnene und ab 1883 als <i><a href="Diercke_Weltatlas" title="Diercke Weltatlas">Diercke Weltatlas</a></i> weitergeführte Schulatlas ist das bis heute erfolgreichste von Westermann initiierte Verlagsprodukt. Im Kulturprogramm des Verlags gehörten <a href="Theodor_Fontane" title="Theodor Fontane">Theodor Fontane</a>, <a href="Hermann_Hesse" title="Hermann Hesse">Hermann Hesse</a> und <a href="Wilhelm_Raabe" title="Wilhelm Raabe">Wilhelm Raabe</a> zu den erfolgreichsten Autoren.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben">Leben</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Jahre,_Ausbildung_und_Wanderschaft"><span id="Fr.C3.BChe_Jahre.2C_Ausbildung_und_Wanderschaft"></span>Frühe Jahre, Ausbildung und Wanderschaft</h3></div>
<p>Georg Westermann wurde in Leipzig als Sohn des Goldschmiedemeisters Heinrich Christoph Carl Westermann (1777–1835) und dessen Frau, der Goldschmiedstochter Josepha Karoline Westermann geborene Schönkopf (1783–1868) geboren.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Sein älterer Bruder <a href="Anton_Westermann" title="Anton Westermann">Anton Westermann</a> (1805–1869) wurde später Professor für <a href="Philologie" title="Philologie">Philologie</a>, weitere Geschwister waren der früh verstorbene Emil (1805–1835), Carl (1807–1809; damit bei Georgs Geburt bereits verstorben), Sophie Helene (1812–1866) und Bernhard (1814–1889). Seine Schulausbildung absolvierte Georg am Humanistischen Gymnasium Albertina in <a href="Freiberg" title="Freiberg">Freiberg</a>. 1827 reiste er auf Anraten des Leipziger Verlegers und Freundes seines Vaters <a href="Wilhelm_Ambrosius_Barth" title="Wilhelm Ambrosius Barth">Wilhelm Ambrosius Barth</a> nach <a href="Braunschweig" title="Braunschweig">Braunschweig</a> und wurde bei der dort ansässigen Schulbuchhandlung von <a href="Friedrich_Vieweg" title="Friedrich Vieweg">Friedrich Vieweg</a> als Lehrling eingestellt, kurz nachdem der spätere <a href="Reclam-Verlag" title="Reclam-Verlag">Reclam</a>-Verleger <a href="Anton_Philipp_Reclam" title="Anton Philipp Reclam">Anton Philipp Reclam</a> seine Ausbildung im Hause Vieweg beendet hatte. Vieweg selbst hatte 1786 in Berlin eine Verlagsbuchhandlung gegründet und war 1799 nach Braunschweig gekommen, wo er die Tochter <a href="Johann_Heinrich_Campe" class="mw-redirect" title="Johann Heinrich Campe">Johann Heinrich Campes</a>, Lotte, heiratete und dessen Buchhandlung übernahm. Westermann wurde als Lehrling auch in die Familie aufgenommen und lernte so Viewegs Tochter Blanca kennen, die er später heiratete. Er hatte sich bereits während seines Aufenthalts in das junge Mädchen verliebt, gestand dies dessen Eltern jedoch erst ein, nachdem er das Haus verlassen hatte. Den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, sperrte sich sein Lehrherr gegen die Entschuldigungen und brach den Kontakt zu Westermann ab, der fortan nur über dessen Frau Charlotte Vieweg und nach deren Tod über Luise Vieweg, die Ehefrau des <a href="Eduard_Vieweg" title="Eduard Vieweg">Eduard Vieweg</a> und damit die Schwiegertochter Viewegs mit der Familie in Verbindung stand.
</p><p>Nach seiner vierjährigen Ausbildung und einem Jahr als Gehilfe ging Westermann mit einem erstklassigen Zeugnis auf Wanderschaft, um zunächst weitere Erfahrungen im Buchhandel zu machen. Seine erste Empfehlung führte ihn 1832 über Leipzig, wo er seine Eltern besuchte, nach <a href="K%C3%B6nigsberg_(Preu%C3%9Fen)" title="Königsberg (Preußen)">Königsberg</a> in die Buchhandlung der Gebrüder Bornträger. 1834 ging er nach Leipzig und arbeitete bei Wilhelm Ambrosius Barth, auch in der Hoffnung, sich hier selbstständig zu machen und Blanca Vieweg zu heiraten. 1835 bewarb er sich nach <a href="Hamburg" title="Hamburg">Hamburg</a> um eine Gehilfenstelle, wurde jedoch von einer lebensbedrohlichen Krankheit zurückgeworfen. Georgs Vater starb am 18. August 1835; kurz danach ging Westermann nach <a href="Bezirk_Altona" title="Bezirk Altona">Altona an der Elbe</a> und trat in der Buchhandlung „Perthes und Besser“ eine Arbeitsstelle an. Nach dem Tod von Friedrich Vieweg am 25. Dezember 1835 übernahm dessen Sohn Eduard Vieweg die Buchhandlung. Westermann besuchte die Familie und wurde erfreut aufgenommen, wodurch es zur lang erwarteten Versöhnung zwischen ihm und der Familie Vieweg kam. Eine Hochzeit mit Blanca Vieweg blieb Westermann jedoch verwehrt, solange er keine berufliche Selbstständigkeit erlangt hatte.
</p><p>1837 besuchte Westermann <a href="England" title="England">England</a>, angezogen von dessen Führungsposition in den Bereichen Wirtschaft und Technik. Er besuchte Handelskontore, <a href="Hafen" title="Hafen">Häfen</a> und <a href="Baumwollspinnerei" title="Baumwollspinnerei">Baumwollspinnereien</a> sowie Bahnanlagen und änderte wegen seiner Begeisterung für die englische Kultur seinen Vornamen in „George“.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gründung_und_Aufbau_der_Verlagsbuchhandlung_Westermann"><span id="Gr.C3.BCndung_und_Aufbau_der_Verlagsbuchhandlung_Westermann"></span>Gründung und Aufbau der Verlagsbuchhandlung Westermann</h3></div>
<p>Nach dem Ende seiner Wanderjahre gründete George Westermann 1838 seine eigene <a href="Westermann_Druck-_und_Verlagsgruppe" class="mw-redirect" title="Westermann Druck- und Verlagsgruppe">Verlagsbuchhandlung</a> in Braunschweig in einem Teil des Vieweg’schen Verlagshauses am <a href="Burgplatz_(Braunschweig)" title="Burgplatz (Braunschweig)">Burgplatz</a> und heiratete am 29. November 1838 Blanca Vieweg. Begünstigt wurde die Verlagsgründung durch die 1834 erfolgte Gründung des <a href="Deutscher_Zollverein" title="Deutscher Zollverein">Deutschen Zollvereins</a> und den damit einhergehenden Wegfall der innerdeutschen Grenzen des <a href="Deutscher_Bund" title="Deutscher Bund">Deutschen Bundes</a>. Zudem wuchs das Interesse des <a href="B%C3%BCrgertum" title="Bürgertum">Bürgertums</a> an Schriften aller Art und durch die rege Forschertätigkeit und die Entdeckungen der Zeit drängten Autoren auf die Veröffentlichung ihrer Erkenntnisse.
</p>
<p>Am 21. Mai 1838 wurde Westermann die Konzession durch die Herzogliche Kreisverwaltung in Braunschweig erteilt, am 1. Juni veröffentlichte er eine entsprechende Anzeige im <i><a href="B%C3%B6rsenblatt" title="Börsenblatt">Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel</a></i>. Seine Referenzen erhielt er durch die bereits etablierten Verleger Vieweg und <a href="Justus_Perthes" title="Justus Perthes">Justus Perthes</a>. Er begann mit einem Startkapital von 5.000 <a href="Reichstaler" title="Reichstaler">Reichstalern</a> mit dem Aufbau seines Verlages in den Büroräumen im Vieweg’schen Verlagshaus. Zu seinen ersten Veröffentlichungen gehörte das Werk <i><a href="Nicholas_Nickleby" title="Nicholas Nickleby">Leben und Abenteuer des Nicolaus Nickleby</a></i> von <a href="Charles_Dickens" title="Charles Dickens">Charles Dickens</a> unter dem Pseudonym <i>Boz</i>. Westermann hatte Dickens auf seiner Englandreise kennengelernt und veröffentlichte seine übersetzten Werke gemeinsam mit anderen englischen Autoren wie <a href="Jonathan_Swift" title="Jonathan Swift">Jonathan Swift</a> und <a href="Henry_Fielding" title="Henry Fielding">Henry Fielding</a> in seiner erfolgreichen <i>Klassischen Bibliothek der älteren Romandichter Englands</i> mit 30 Bänden zwischen 1839 und 1842 sowie in zwölf Bänden der <i>Neuen Roman-Bibliothek des Auslands</i>.
</p>
<p>1845 erweiterte Westermann den Verlag durch eine eigene Druckerei, in der er auch Kupferdrucke für Kartenwerke herstellen lassen konnte. Der Betrieb wurde für den später erscheinenden Atlas von <a href="Henry_Lange" title="Henry Lange">Henry Lange</a> mit einer <a href="Lithografie" title="Lithografie">Steindruckerei</a> ergänzt. Die Druckerei wurde zunehmend vergrößert und mit 14 dampfgetriebenen Buchdruck-<a href="Schnellpresse" title="Schnellpresse">Schnellpressen</a> ausgestattet, später wurde zudem eine <a href="Buchbinder" title="Buchbinder">Buchbinderei</a> angeschlossen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Die_Entwicklungen_im_Spartenprogramm">Die Entwicklungen im Spartenprogramm</h3></div>
<p>Der Verlag etablierte sich in der deutschen Verlagslandschaft insbesondere durch ein breites und anspruchsvolles <a href="Spartenprogramm" title="Spartenprogramm">Spartenprogramm</a>, in dem viele Titel als Standardwerke ihrer Disziplin galten. Insbesondere die Titel der <a href="Geographie" title="Geographie">Geographie</a> und der <a href="Geschichtswissenschaft" title="Geschichtswissenschaft">Geschichtswissenschaften</a> sowie die verlegten Wörterbücher bildeten die Grundlage für den bis heute auf diesen Gebieten erfolgreichen Verlag.
</p><p>1841 übernahm Westermann die Rechte am deutsch-französischen Wörterbuch von A. Molé, herausgegeben von Ferdinand A. Weber, vom Leipziger Verlag <a href="Tauchnitz" class="mw-disambig" title="Tauchnitz">Tauchnitz</a> und 1846 die Rechte am von Johann G. Haas herausgegebenen Standardwerk <i>Vollständiges Wörterbuch der Französischen und Deutschen Sprache</i> von M. A. Thibaut aus dem <a href="Melzer_Verlag" title="Melzer Verlag">Melzer Verlag</a>, die beide wirtschaftlich erfolgreich waren und die seitdem weitergeführte Sparte der Wörterbücher im Verlagsprogramm begründeten. Bis zum Jahr 1908 war der Thibaut in 150, der Molé in 77 Auflagen erschienen. Neben diesen beiden bedeutenden Wörterbüchern führte vor allem die Zusammenarbeit mit dem <a href="Lehrer" title="Lehrer">Lehrer</a> <a href="Ludwig_Herrig" title="Ludwig Herrig">Ludwig Herrig</a> zum Erfolg in der Sprachensparte. Herrig gründete gemeinsam mit <a href="Heinrich_Viehoff" title="Heinrich Viehoff">Heinrich Viehoff</a> 1846 die Zeitschrift <i><a href="Archiv_f%C3%BCr_das_Studium_der_neueren_Sprachen_und_Literaturen" title="Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen">Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen</a></i> im Verlag <a href="Julius_Theodor_Baedeker" title="Julius Theodor Baedeker">Julius Theodor Baedeker</a>, von dem sie 1849 von Westermann übernommen wurde, und publizierte kurz darauf mit <i>The British Classical Authors</i> eine erfolgreiche Darstellung der britischen Literaturgeschichte. Es folgte mit <i>La France Littéraire</i> eine Darstellung der französischen Literatur und zudem gab Herrig eine Reihe von englischen und französischen Textsammlungen für den Unterricht heraus, die den Grundstein für die sehr viel später im Westermann-Verlag publizierten Unterrichtssammlungen in englischer und französischer sowie später auch in <a href="Latein" title="Latein">lateinischer</a> Sprache legten.
</p>
<p>Das erfolgreiche zweibändige Buch <i>Philosophie der Erdkunde</i> von <a href="Ernst_Kapp" title="Ernst Kapp">Ernst Kapp</a> erschien 1845. Es wurde 1868 durch die als erste systematische Darstellung der Geographie aufgefasste und dadurch sehr schnell zum <a href="Standardwerk" title="Standardwerk">Standardwerk</a> der Geographie gewordene <i>Vergleichende allgemeine Erdkunde in wissenschaftlicher Darstellung</i> ergänzt. Durch den Erfolg bestärkt trat Westermann mit <a href="Theodor_von_Liechtenstern" title="Theodor von Liechtenstern">Theodor von Liechtenstern</a> in Kontakt, um einen umfassenden <a href="Atlas_(Kartografie)" title="Atlas (Kartografie)">Atlas</a> für die Schulausbildung an <a href="Gymnasium_in_Deutschland" title="Gymnasium in Deutschland">Gymnasien</a> zu gestalten. Liechtenstern starb, bevor er dieses Werk vollenden konnte und auf Empfehlung von <a href="Carl_Ritter" title="Carl Ritter">Carl Ritter</a> beauftragte Westermann den Kartographen <a href="Henry_Lange" title="Henry Lange">Henry Lange</a> mit der weiteren Arbeit am Atlas. Der erste Westermann-Atlas erschien 1853 unter dem Titel <i>Schul-Atlas zum Unterricht in der Erdkunde</i>. 1875 traf George Westermann erstmals auf den Schulrat <a href="Carl_Diercke" title="Carl Diercke">Carl Diercke</a>, der den Westermannschen Weltatlas dem <a href="Preu%C3%9Fisches_Ministerium_der_geistlichen%2C_Unterrichts-_und_Medizinalangelegenheiten" title="Preußisches Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten">Preußischen Kulturministerium</a> als Unterrichtsgrundlage empfohlen hatte. Diercke hatte mehrere Ideen, mit denen er den Atlas weiter ausbauen und aktualisieren wollte und wurde Mitarbeiter des Westermann-Verlages. Sein <a href="Diercke_Weltatlas" title="Diercke Weltatlas">Diercke-Weltatlas</a> erschien erstmals 1883, vier Jahre nach dem Tod des Verlagsgründers, und avancierte seitdem zu einem der erfolgreichsten Produkte des Verlages.
</p>
<p>Neben diesen Standardwerken publizierte Westermann allerdings auch viele wissenschaftliche <a href="Reisebericht" title="Reisebericht">Reiseberichte</a> und geographische Darstellungen verschiedener Autoren. So erschien bei ihm 1854 das Werk <i>Nordamerika in geographischen und geschichtlichen Umrissen</i> des später aufgrund seiner rassistischen Ansichten umstrittenen Geographen und Publizisten <a href="Karl_Andree_(Geograph)" title="Karl Andree (Geograph)">Karl Andree</a>. Als besonders abenteuerlich und zugleich wissenschaftlich werden die Tagebücher des <a href="Emin_Pascha" title="Emin Pascha">Emin Pascha</a> (eigentlich <i>Eduard Schnitzer</i>) beschrieben, die als Doppelband bei Westermann verlegt wurden. Finanziell weniger erfolgreich wurden beispielsweise Titel wie <i>Die Nil-Zuflüsse in Abyssinien</i> (1868) von Sir <a href="Samuel_White_Baker" title="Samuel White Baker">Samuel White Baker</a>, die dreibändige <i>Reise um die Welt</i> (1861) des <a href="Zoologe" title="Zoologe">Zoologen</a> <a href="Ludwig_Karl_Schmarda" title="Ludwig Karl Schmarda">Ludwig Karl Schmarda</a> oder <i>Reisen nach dem Nordpolarmeer</i> von <a href="Theodor_von_Heuglin" title="Theodor von Heuglin">Theodor von Heuglin</a>.
</p><p>Im Bereich Geschichte bot Westermann bereits kurz nach der Verlagsgründung ein umfassendes Programm, um die vielfältigen Interessen des sich neu entwickelnden <a href="Bildungsb%C3%BCrgertum" title="Bildungsbürgertum">Bildungsbürgertums</a> zu bedienen. Zu den wichtigsten Schritten dieser Richtung gehörte die Übernahme des Titels<i> Allgemeine Weltgeschichte von den Anfängen der historischen Kenntnis bis auf unsere Zeit</i> des Autors <a href="Karl_von_Rotteck" title="Karl von Rotteck">Karl von Rotteck</a> aus dem <a href="Verlag_Herder" title="Verlag Herder">Verlag Herder</a> im Jahr 1839. Karl von Rotteck starb im Übernahmejahr, das umfangreiche Werk wurde von <a href="Karl_Heinrich_Hermes" title="Karl Heinrich Hermes">Karl Heinrich Hermes</a> fortgeführt und durch den Maler und Grafiker <a href="Alfred_Rethel" title="Alfred Rethel">Alfred Rethel</a> mit aufwendigen <a href="Stahlstich" title="Stahlstich">Stahlstichen</a> illustriert. Ein weiterer wichtiger Autor des Verlages im Geschichtsbereich wurde <a href="Johann_Sporschil" title="Johann Sporschil">Johann Sporschil</a>, der insgesamt zwölf Geschichtswerke bei Westermann verlegen ließ, darunter <i>Der Dreißigjährige Krieg</i> und <i>Geschichte der Hohenstaufen</i>. Mit dem 25-bändigen Gesamtwerk des britischen Historikers <a href="Thomas_Macaulay%2C_1._Baron_Macaulay" title="Thomas Macaulay, 1. Baron Macaulay">Thomas Macaulay</a> war auch die britische Geschichte im Verlagsprogramm vertreten.
</p><p>Das naturwissenschaftliche Programm des Verlages war von Beginn an, verglichen mit den Bereichen Geschichte und Geographie, dünn besetzt. Erwähnenswert sind hier vor allem das Werk <i>Die Sonne</i> 1872 des Astronomen <a href="Angelo_Secchi" title="Angelo Secchi">Angelo Secchi</a>, in dem erstmals ein Foto der Sonne mit <a href="Sonnenfleck" title="Sonnenfleck">Sonnenflecken</a> enthalten war, fotografiert am 22. September 1870 in <a href="New_York_City" title="New York City">New York City</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Westermann’s_illustrierte_deutsche_Monats-Hefte"><span id="Westermann.E2.80.99s_illustrierte_deutsche_Monats-Hefte"></span>Westermann’s illustrierte deutsche Monats-Hefte</h3></div>
<div class="hauptartikel" role="navigation"><span class="hauptartikel-pfeil" title="siehe" aria-hidden="true" role="presentation">→ </span><i><span class="hauptartikel-text">Hauptartikel</span>: <a href="Westermanns_Monatshefte" title="Westermanns Monatshefte">Westermanns Monatshefte</a></i></div>
<p>Im Jahr 1856 startete Westermann mit der Herausgabe der reich bebilderten <a href="Kulturzeitschrift" title="Kulturzeitschrift">Kulturzeitschrift</a> „Westermann's illustrirte deutsche Monats-Hefte. Ein Familienbuch für das gesamte geistige Leben der Gegenwart“, mit der er eine Monatszeitschrift im Stil der ihm bekannten amerikanischen <i>Harper's Monthly</i> oder <i>Illustrated London News</i> etablieren wollte. Er schrieb dazu in einem Brief vom 5. Juli 1856:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ich will nämlich ein Journal gründen, welches vorzugsweise den culturhistorischen Interessen gewidmet ist. […] Bemerken Sie, daß wir uns nicht mit den strengen Fachwissenschaften beschäftigen, nicht mit Apparaturen und Handwerkszeugen der Gelehrten, sondern mit den Resultaten der Wissenschaft, soweit solche in des Volkes Leben übergehen können.“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
</blockquote>
</div></div>
<p>Das Konzept der Monatshefte wurde vom Braunschweiger <a href="Journalist" title="Journalist">Journalisten</a> Heinrich Boegekamp entwickelt, die Redaktionsleitung übernahm <a href="Adolf_Glaser" title="Adolf Glaser">Adolf Glaser</a> vom ersten Heft bis 1907. In dieser Zeit gewann Glaser eine Reihe wichtiger Autoren für die Zeitschrift und auch für den Buchverlag, darunter <a href="Marie_von_Ebner-Eschenbach" title="Marie von Ebner-Eschenbach">Marie von Ebner-Eschenbach</a>, <a href="Friedrich_Hebbel" title="Friedrich Hebbel">Friedrich Hebbel</a>, <a href="Theodor_Storm" title="Theodor Storm">Theodor Storm</a>, <a href="Wilhelm_Raabe" title="Wilhelm Raabe">Wilhelm Raabe</a>, <a href="Theodor_Fontane" title="Theodor Fontane">Theodor Fontane</a>, <a href="Alfred_Brehm" title="Alfred Brehm">Alfred Brehm</a>, <a href="Paul_Heyse" title="Paul Heyse">Paul Heyse</a> und <a href="Justus_von_Liebig" title="Justus von Liebig">Justus von Liebig</a>. Den Kern der Zeitschrift bildeten literarische Kurzgeschichten und Novellen, außerdem Reiseerzählungen sowie Artikel zu technischen Themen wie dem <a href="Eisenbahnbau" title="Eisenbahnbau">Eisenbahnbau</a>, der Dampfschifffahrt oder dem <a href="Telefon" title="Telefon">Telefon</a>. Die hochwertigen und reich illustrierten Artikel führten zu einem wirtschaftlichen Erfolg der Zeitschrift. Im ersten Jahr hatten die Monatshefte 3.000 <a href="Abonnement" title="Abonnement">Abonnenten</a>, der Höchststand war 1960 mit 105.000 Abonnenten erreicht. 1987 erschien die letzte Ausgabe eines Monatsheftes.
</p><p>Westermanns Anstrengungen waren nicht nur auf die deutschsprachigen Märkte beschränkt. Schon im Jahr 1851 gab er Henry Lange den Auftrag, einen Atlas für die <a href="Vereinigte_Staaten" title="Vereinigte Staaten">Vereinigten Staaten von Amerika</a> zu gestalten. Zudem veröffentlichte er in seinen Monatsblättern regelmäßig Beiträge zur Erschließung des „<a href="Wilder_Westen" title="Wilder Westen">Wilden Westens</a>“. Seinen jüngeren Bruder <a href="Bernhard_Westermann" title="Bernhard Westermann">Bernhard Westermann</a> schickte er nach New York City, um dort eine Niederlassung des Verlages zu gründen und den deutschsprachigen Einwanderern deutschsprachige Bücher und Zeitschriften anzubieten. Diese Zweigstelle wurde als <i>B. Westermann & Co.</i> am <a href="Broadway_(Manhattan)" title="Broadway (Manhattan)">Broadway</a> No. 289 gegründet, trennte sich aber bereits 1852 vom Stammverlag und wurde von Bernhard Westermann allein weitergeführt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Tod_und_Nachfolge">Tod und Nachfolge</h3></div>
<p>George Westermann starb am 7. September 1879, ein halbes Jahr nach seiner Frau Blanca, und wurde auf dem Braunschweiger <a href="Dom-_und_St._Magnifriedhof" title="Dom- und St. Magnifriedhof">Magnifriedhof</a> beigesetzt. In der Leitung des Unternehmens folgte ihm sein damals 39-jähriger Sohn <a href="Friedrich_Westermann" title="Friedrich Westermann">Friedrich Westermann</a>, der erst gemeinsam mit den weiteren Erben und unter der Führung des <a href="Prokura" title="Prokura">Prokuristen</a> Robert Brandt eine <a href="Offene_Handelsgesellschaft" title="Offene Handelsgesellschaft">Offene Handelsgesellschaft</a> (OHG) gründete. Friedrich Westermann hatte eine wissenschaftliche und kaufmännische Ausbildung im Buchwesen und wurde 1889 alleiniger Inhaber des Verlags. Unter seiner Leitung und später unter der Führung seines Sohnes <a href="Georg_Westermann_(Verleger)" title="Georg Westermann (Verleger)">Georg Westermann</a> und dessen Nachfolgern wurde der Verlag auf der Grundlage des <a href="Diercke_Weltatlas" title="Diercke Weltatlas">Diercke-Weltatlasses</a> und weiterer erfolgreicher Lehrwerke zu einem der erfolgreichsten Schulbuchverlage. Neben Friedrich hatten George und Blanca Westermann noch drei weitere Kinder: Stephanie (1842–1930), Charlotte (1844–1919) und Carl (1848–1909).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Everhard Westermann (Hrsg.): <i>Der Verleger George Westermann 1810–1879. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern.</i> Georg Westermann, Braunschweig 1965.</li>
<li><i>150 Jahre Westermann 1838–1988 … und beehre ich mich Ihnen anzuzeigen. Eine Firmengeschichte durch anderthalb Jahrhunderte.</i> Westermann Verlag, Braunschweig 1988; ISBN 3-07-500000-0.</li>
<li><a href="Rudolf_Schmidt_(Journalist)" class="mw-redirect" title="Rudolf Schmidt (Journalist)">Rudolf Schmidt</a>: <i>Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Beiträge zu einer Firmengeschichte des deutschen Buchgewerbes</i>. Verlag der Buchdruckerei Franz Weber (später: Verlag von Rudolf Schmidt, Eberswalde), Berlin 1902–1908; S. 1042–1043 (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.zeno.org/Schmidt-1902/Schmidt-1902/A/Westermann,+George">Volltext</a>).</li>
<li><a href="Paul_Zimmermann_(Historiker)" title="Paul Zimmermann (Historiker)">Paul Zimmermann</a>: <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Westermann,_Georg" class="extiw external" title="s:ADB:Westermann, Georg">Westermann, George</a>.</i> In: <i><a href="Allgemeine_Deutsche_Biographie" title="Allgemeine Deutsche Biographie">Allgemeine Deutsche Biographie</a></i> (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 184–186.</li>
<li>Carsten Grabenhorst: <cite style="font-style:italic">Westermann, Georg</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Neue_Deutsche_Biographie" title="Neue Deutsche Biographie">Neue Deutsche Biographie</a></cite>. (NDB). <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>27</span>. Duncker & Humblot, Berlin 2020, ISBN 978-3-428-11208-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>896–898</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsche-biographie.de/gnd118767496.html#ndbcontent">deutsche-biographie.de</a>).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:George+Westermann&rft.atitle=Westermann%2C+Georg&rft.au=Carsten+Grabenhorst&rft.btitle=Neue+Deutsche+Biographie&rft.date=2020&rft.genre=book&rft.isbn=9783428112081&rft.pages=896-898&rft.place=Berlin&rft.pub=Duncker+%26+Humblot&rft.volume=27" style="display:none"> </span></li>
<li><i>Deutsche Buchhändler 16: George Westermann</i>. »Illustrirte Zeitung« Nr. 1393 vom 12. März 1870, S. 186–187 & 188 Portrait (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=RcIslcCJm9oC&hl=de&pg=PA187#v=onepage&q&f=false">Digitalisat</a>).</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:George_Westermann?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: George Westermann</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Diercke?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Diercke</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Paul Zimmermann: <i><a href="https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Westermann,_Georg" class="extiw external" title="s:ADB:Westermann, Georg">Westermann, Georg</a>.</i> In: <i><a href="Allgemeine_Deutsche_Biographie" title="Allgemeine Deutsche Biographie">Allgemeine Deutsche Biographie</a></i> (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 184–186.</li>
<li>Günther Wessel: <i><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/1127976/">Atlanten und Monatshefte – Vor 200 Jahren wurde Verleger George Westermann geboren</a></i>. Kalenderblatt bei <a href="Deutschlandradio_Kultur" class="mw-redirect" title="Deutschlandradio Kultur">Deutschlandradio Kultur</a>, abgerufen am 2. August 2017</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.westermanngruppe.de">Website der <i>Westermann Gruppe</i></a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Grabenhorst, Carsten: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsche-biographie.de/sfz10978.html#ndbcontent"><i>Westermann, George (bis 1838 Georg).</i></a> Verleger, * 23.2.1810 Leipzig, † 7.9.1879 Wiesbaden, ⚰ Braunschweig, Magnifriedhof. (lutherisch, seit etwa 1840 reformiert). In: <i>Website <a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.deutsche-biographie.de">https://www.deutsche-biographie.de</a>.</i> Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 2020,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 27. Februar 2024</span> (in: Neue Deutsche Biographie 27, S. 896–898 [Online-Version]).</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AGeorge+Westermann&rft.title=Westermann%2C+George+%28bis+1838+Georg%29&rft.description=Westermann%2C+George+%28bis+1838+Georg%29&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.deutsche-biographie.de%2Fsfz10978.html%23ndbcontent&rft.creator=Grabenhorst%2C+Carsten&rft.publisher=Historische+Kommission+bei+der+Bayerischen+Akademie+der+Wissenschaften&rft.date=2020&rft.language=de"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Aus einem Brief vom 5. Juli 1856; hier zitiert nach <i>150 Jahre Westermann 1838–1988, Braunschweig 1988.</i></span>
</li>
</ol>
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Normdaten (Person): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/118767496">118767496</a></span> | <a href="Library_of_Congress_Control_Number" title="Library of Congress Control Number">LCCN</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://id.loc.gov/authorities/no2019027408">no2019027408</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/301329805/">301329805</a></span> | </div>
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